Trading – der Einstieg, das Wie?

 

Hört man Leute erzählen, wie sie zum Trading gekommen sind, sieht man sich häufig mit sehr ähnlichen Stories konfrontiert. Meist werden irgendwelche Werte auf Anraten eines Bekannten gekauft, „der sich auskennt“ oder über irgendwelche Informationen verfügt, die einen baldigen Kurssprung in Aussicht stellen. Die Papiere werden gekauft und nicht selten sehr lange gehalten, weil gerade eine substantielle Korrektur stattfindet oder eine Wirtschaftskrise/ Bubble, etc. den Break Even auf die nächsten Jahre in den eher theoretischen Bereich rückt. Schließlich sollen die nachfolgenden Generationen auch was davon haben….

Ein paar Hartnäckige versuchen es aber noch einmal. Möglicherweise sehen sie, dass man die gesamte Position verbilligt, wenn man niedriger nachkauft, eventuell entscheiden sie sich sogar für einen Optionsschein, der über ein erheblich größeres Gewinnpotential verfügt. Man lernt schließlich aus seinen Fehlern.
Ich konnte feststellen, dass an dieser Stelle eine Weggabelung mit zwei Haupttrampelpfaden erreicht ist.

Der Eine ist jener, wo man auf dem beschrittenen Weg verbleibt und über die Hausbank weiterhin bei guten Gelegenheiten zukauft. Der Andere ist für mich spannender, es ist der Weg, der dem Wanderer viele neue Möglichkeiten weist. Vielleicht liegt darin auch das massenhafte Scheitern bei den ersten Metern begründet, weil eben so viel möglich ist. Long, Short, Aktien, Zinsen, Währungen, Gold, Schweinebäuche. Haltedauer eine Minute, ein Tag, ein Jahr, Hebel, kein Hebel, alles mit ein paar Mausklicks entschieden. So versucht man eben planlos sein Glück. Oft genug ist hier schon Schluss. Bis zur Einsicht, dass man in dieser Liga ein bisschen mehr an Wissen benötigt, dauert es dann meist nicht lange in Zeiteinheiten, lange aber in Geldeinheiten.

Der erste Rettungsanker, der sich präsentiert, ist der Indikator. Er ist gratis mitgeliefert, wirkt komplex genug um Sinn zu machen und hält einen zur Disziplin an, wie die Lektüre lehrt. Eine weitere schöne Eigenschaft der Indikatoren ist, dass sie untereinander scheinbar beliebig mischbar beziehungsweise seriell verknüpfbar sind. Auf diese Weise kann man sich sehr bequem sein eigenes Setup zusammenstellen, die Entscheidung abgeben, eventuell backtesten und so lange optimieren, bis sich der Wunschertrag einstellt.

An dieser Stelle ist eine Reflexion angebracht. Der letzte Absatz beschreibt einen grundsätzlich sinnvollen Ansatz, in der Regel ist die Ausführung aber dilettantisch. Eigentlich wird das Pferd hier von hinten aufgezäumt. Der Indikator sagt und man macht. So soll es aber nicht sein. Zu aller Erst ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, wohin der Weg gehen soll. Einige hilfreiche Fragestellungen:

Verstehe ich diesen Markt zumindest ansatzweise?
Gibt es wiederkehrende Momente, die ich verwenden kann?
Welchen Ertrag brauche ich, damit sich das Ganze überhaupt auszahlt?
Welche Behaltedauer erfordert mein Ertragsziel (pro Trade) in meinem bevorzugten Markt?
Welchen Investitionsgrad kann, will und muss ich mir leisten?
Welche Handelsaktivitäten (Handelszeiten, Stressmomente, Aktivitätszyklen) lassen sich mit meinem Privat- und Berufsleben vereinbaren?

Sind diese Grundsatzüberlegungen nicht abgeklärt, führt dies zwangsläufig zu leidvollen Erfahrungen und man wird an diesen Ausgangspunkt zurückgezwungen. Mir ist es nicht anders ergangen. Als ich mit dem Devisenhandel mit echtem Geld begonnen habe, war die kleinste Lotsize €100.000. Etliche Male saß ich bis in der Früh vor dem Bildschirm, weil ein Trade, von dem ich dachte er würde nur ein paar Minuten dauern, sich doch als längerfristig erwiesen hat.

Hätte ich meinem Anlagehorizont von ein paar Minuten Rechnung getragen, hätte ich einen knappen Stop gesetzt oder den Trade nicht eingegangen, weil ich es mir nicht zu meinen Konditionen (falsche Zeit, zu große Size) leisten konnte. Es sind diese im Grunde einfachen Überlegungen, die einen unerfahrenen Händler über die ersten Monate tragen, die so wichtig für ihn sind, um sich anschließend mit den handelsimmanenten Entscheidungsfindungsprozessen befassen zu können.

Meiner Ansicht nach braucht man keine Indikatoren. Sie fördern nichts zu Tage, was im Chart nicht sichtbar ist, das können sie auch nicht. Ich glaube aber, dass jeder, der sich vor den Schirm setzt und Geld aufgrund eines Charts bewegt, ein gesundes, durch eigene Erfahrung geschultes Auswahlverfahren in sich trägt. Es liegt nun bei ihm, dies auf eine ungewohnte Thematik anwenden zu lernen.

 

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