Gedanken zum aktuellen Marktumfeld

 

Als jemand, in dessen Brust zwei Herzen schlagen, einerseits das des Fondsmanagers und professionellen Marktteilnehmers, andererseits des Traders, der mit seinem eigenen Geld spekuliert, will ich hier auch beide Seiten derselben Medaille beleuchten. Da sich generell der Retail-Trader im Informationsnachteil befindet, kann es sich nur um einen Akt der Fairness handeln.

Damit kann ich gut leben; schwieriger ist es für mich, dass ich ein Statement zum Aktienmarkt abzugeben gedenke, obwohl ich eindeutig Fixed Income und FX-lastig ausgerichtet bin. Es geht aber für mich darum, einen Mechanismus ins Licht zu rücken, der für alle nichtprofessionellen Marktteilnehmer gleichermassen interessant sein kann, da er nicht assetklassenspezifisch ist. In den nachfolgenden Abbildungen geht es darum, wie sehr Retailkunden und Professionals Einfluss auf einen Markt nehmen.

Die Grundannahme ist, dass Retailmarktteilnehmer zur Markteröffnung tätig werden und Institutionelle on Close. Der angeführte Index, der Smart Index, referenziert auf den Dow Jones Industrial Average. Er bildet die letzten 30 Handelsminuten ab, die von den Professionals dominiert werden.

Dabei ist klar eine Schere erkennbar, die ab 2004 zu klaffen beginnt. Sie zeigt, dass das Wachstum ab 10.000 – 11.000 Punkten praktisch nur noch von Privatinvestoren getragen wird, während die Professionals bereits beginnen, als Geber aufzutreten, um Gewinne zu realisieren. Das Jahr 2008 kennt für beide Seiten im Wesentlichen bloss eine Richtung, jedoch beginnen ab Herbst die Grossen schon zu kaufen, während sich im Markt ein weiteres, geringfügig tieferes Tief ausbildet. Ab 2009 weisen die Charts wieder einen relativen Gleichlauf aus, mit zunehmend starker Partizipation der Privaten.

Rein aus dieser Analyse heraus könnte man zu der Überzeugung gelangen, dass alles glatt läuft. Lassen wir auch die fundamentalen Risiken ausser Acht, die gegenwärtig in den Medien omnipräsent sind. Aber die Analyse zeigt auch, wie der dynamische Überhitzungsprozess abläuft, wenn der Markt beginnt, sich zu gruppieren. Und der Markt ist fulminant gelaufen…

 

8 Responses to “Gedanken zum aktuellen Marktumfeld”

  1. Ich finde diese Beobachtung sehr interessant. Mir gefällt auch, dass Markus das Resümee offen lässt. Um diese Jahreszeit haben die Gurus ja wieder Hochsaison. Vielleicht sollten wir hier im trading netzwerk diesen Scharlatane etwas genauer auf die Finger schaun. Was meint Ihr?

     
  2. Den Scharlatanen und Möchtegerngurus auf die Finger schauen halte ich für eine ausgezeichnete Idee!

     
  3. d.h., je mehr die professionellen Trader in den Hintergrund treten und den “Privaten” das Feld überlassen, desto vorsichtiger sollte man werden? Kleinanleger und Private handeln mit kleineren Volumina, d.h. wiederum, die Schwankungen in beide Richtungen werden größer?

     
    • Die Analyse soll in keiner Hinsicht signalgebend sein. Es soll lediglich ein Sachverhalt dargestellt werden, nämlich das Marktverhalten zweier Gruppen zueinander. Jede darüber hinaus reichende Interpretation ist aber selbstverständlich jedem freigestellt.

       
  4. Super Artikel!
    Erinnert mich stark an Kostonlany´s Einteilung der Gruppen in “Zittrige und Hartgesottene”…
    Private haben nunmal einen Informationsrückstand, und sind allgemein anfälliger für überhastete und stark emotionale Aktionen.

     
  5. Ich frage mich ob man die Profis da generell ausnehmen kann. Da gibt es auch Zittrige, oder?

     
  6. Na klar, gibts sicher auf beiden Seiten. Nur wenn man als Profi sein Geld damit verdient, und sich täglich damit auseinandersetzt wird man eher frühzeitig in einem Trend sein(und Gewinne mitnehmen wenn sichs richtig abspielt)…jedenfalls meine Interpretation dazu,wie seht ihr das?

     
    • Ich denke, man muss bei der Intention der unterschiedlichen Marktteilnehmer eine Unterscheidung treffen. Der private Buy-and-Hold Stratege ist anders ausgerichtet als der kurzfristige private Spekulant, ebenso wie ein Fondsmanager (im Stil nochmals zu unterscheiden) anderen Parametern Rechnung tragen muss als ein Treasurer. Es gelten andere Überlegungen, die über den reinen G/V hinausreichen (Diversifikation, strategische Beteiligung, Aktionszwang, Interessen eines Geldgebers,…). Interessanter ist aus meiner Sicht, wie sich Privatinvestoren verhalten, sobald sich eine Dynamik zu entwickeln beginnt, die scheinbar keine Fehler mehr zulässt.

       

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