Einfache, aber effiziente Trendfolge: Das Trading mit gleitenden Durchschnitten
Der zeitliche Verlauf einer finanzmathematischen Kursreihe entsteht aus der Überlagerung unterschiedlichster Einflussparameter. Um das „weiße Rauschen“ einer Zeitreihe zu reduzieren, setzen viele Händler Methoden ein, welche die Trendgerichtetheit des jeweiligen Marktes messen. Ich möchte Ihnen heute eine der gebräuchlichsten Ansätze zur Trendfolge an den Finanzmärkten vorführen, die Trendmessung mittels gleitender Durchschnitte.
Wahrscheinlich wird heute mehr Geld unter Verwendung von gleitenden Durchschnitten gehandelt, als mit irgendeiner anderen Kombination technischer Indikatoren. Da man sie sowohl zur Auffindung sehr langfristiger monatlicher Trends als auch für kurzfristiges Trading benutzen kann, wurden gleitende Durchschnitte in der technischen Literatur breiter behandelt, als irgendeine andere Studie.
Gleitende Durchschnitte glätten die Marktfluktuation und die kurzfristige Volatilität und geben dem Händler eine Idee, in welche Richtung der Markt gehen mag. Sie sind daher trendfolgende Indikatoren im reinsten Sinne. Sie zeigen immer die Richtung des Trends. Ihre Funktion besteht darin, die Richtung des Trends zu identifizieren und seine Ausschläge zu glätten.
Gleitende Durchschnitte lösen diese wichtigen Aufgaben sehr einfach und sehr gut. Es gibt so viele mögliche Arten und Kombinationen gleitender Durchschnitte, dass es sinnlos ist zu versuchen, sie alle aufzuführen. Die meisten der eher esoterischen Varianten wurden in den 70er Jahren erzeugt, wo man der Meinung war, dass gleitende Durchschnitte sehr hoch entwickelte und fortschrittliche technische Analysewerkzeuge seien.
Das Interesse an den gleitenden Durchschnitten wurde belohnt. Die 70er Jahre waren eine Zeit fast endloser Markttrends, wo gleitende Durchschnitte außergewöhnlich gut funktionierten. Interessant ist, dass heute immer noch ein großer Teil der Marktteilnehmer auf diese Methoden zurückgreift.
Einfache gleitende Durchschnitte
MAt = Pt + Pt-1 + Pt-2 + Pt-3+….+ Pt-n/n
wobei :
MAt = aktueller Wert des gleitenden Durchschnitts
Pt , Pt-1 etc. = Kurse t – n Perioden in der Vergangenheit
n = Anzahl der Perioden bei der Berechnung gewichteter gleitender Durchschnitt
Gewichtete gleitende Durchschnitte
Die gebräuchlichste Form der Gewichtung eines gleitenden Durchschnitts besteht darin, dass man einfach jeden Kurs eines Tages mit der Zahl der Tage an denen dieser Kurs aufgetreten ist, multipliziert. Bei einem 10 Tage gewichteten gleitenden Durchschnitt wird dem heutigen Kurs der Wert 10 gegeben und damit 10 mal mehr Gewicht als dem Kurs vor 10 Tagen.
WMAt = W1Pt + W2Pt-1+ W3Pt-1 + …+ WnPt-1/n
wobei:
WMAt = aktueller Wert des gleitenden Durchschnitts
W = Anzahl der Perioden in der Vergangenheit, wo der Kurs aufgetreten ist
Pt , Pt-1 etc. = Kurse t – n Perioden in der Vergangenheit
n = Anzahl der Perioden in der Kalkulation
Exponentielle gleitenden Durchschnitte
EMAt = EMAt-1 + (SF * (Pt – EMAt-1))
wobei:
EMAt = aktueller Wert des exponentiellen gleitenden Durchschnitts
EMAt-1 = Anzahl der Perioden in der Vergangenheit, wo der Kurs
aufgetreten ist
SF = Wertungsfaktor, der gebräuchlichster Wertungsfaktor ist
SF = 2/n + 1, wobei n die Anzahl der Perioden in der Kalkulation ist
Zwei gleitende Durchschnitte
Die populärsten gleitenden Durchschnittssysteme arbeiten mit zwei gleitenden Durch¬schnitten. Dadurch kann das kurzfristige Verhalten des Trendfolgesystems im Vergleich zur Analyse nur mit einem einzelnen gleitenden Durchschnitt verbessert werden.
Es handelt sich dabei normalerweise um einen längerfristigen gleitenden Durchschnitt, der dazu dient, den Trend zu definieren und einen kürzerfristigen, der die Handelssignale gibt, wenn er den längerfristigen schneidet.
Das grundlegende Signal bei zwei gleitenden Durchschnitten ist die Überkreuzung. Kaufen Sie, wenn der kürzere Durchschnitt über den längeren ansteigt und verkaufen Sie, wenn der umgekehrte Fall auftritt.
Es ist ebenso möglich, den Crossover als Trenddreh¬punkt zu benutzen und nur in Richtung des dadurch angezeigten Trends Positionen aufzunehmen, wobei man noch eine kürzere Methode für Ein- und Ausstiegsignale einsetzt. Die meisten Forschungsergebnisse, die wir gesehen haben, haben gezeigt, dass zwei gleitende Durchschnitte dazu tendieren, profitabler zu sein als viele andere Kombi¬nationen gleitender Durchschnitte.
Nachfolgend finden Sie zwei Backtestings von willkürlichen Einstellungen auf den EuroBund Future.


Drei gleitende Durchschnitte
Eine weitere Modifikation des klassischen Moving Average kann weitere Vorteile bringen. Während das System mit zwei gleitenden Durchschnitten immer nur Long oder Short eingestellt werden kann, ist bei der Messung mit drei gleitenden Durchschnitten auch eine Neutralphase im System möglich.
Das populärste System mit drei Moving Averages ist das vielbeachtete 4-9-18-Tage-System, das durch R. C. Allen in den frühen 70er Jahren populär gemacht wurde. Der dritte gleitende Durchschnitt eröffnet dabei eine große Zahl möglicher Handelsvarianten. Gene¬rell gilt das, wenn ein Markt ein Tiefpunkt ausbildet, die primäre Indikation für einen Trendwechsel darin besteht, dass der 4-Tage- über den 18-Tage-Durchschnitt ansteigt. Das bestätigende Signal ist dann ein 9-Tage-Durchschnitt, der den 18er übersteigt.
Die Analyse mit gleitenden Durchschnitten kann selbstverständlich noch viel umfassender und komplexer aufgebaut werden. Besonderes Augenmerk ist auf die Festlegung der eingestellten Parameter der einzelnen Durchschnitte zu legen. Die Parametereinstellung muss wohlüberlegt und historisch optimiert werden, um die für den Händler richtigen Werte einzustellen.
Die Optimierung von Handelsparametern werde ich in einem der kommenden Artikel kurz vorführen. Im Detail besprechen wir diese Themen auf unserem Seminar “Computergestütztes Trading für Einsteiger”, vom 26. Jänner bis 28. Jänner in Wien. Details finden Sie hier
Viel Erfolg wünscht,
Sascha König


Als Teilnehmer bin ich schon sehr gespannt auf dieses Seminar….
Ich auch! Freu mich schon sehr auf den Event. Vielleicht werde ich noch zum System-Trader.
Harry Helnwein hat mir jedenfalls auch schon mächtig Appetit gemacht. Mal schaun…