Aktuell: Darvas-Signal im DAX®
Mit dem Anstieg auf ein neues Jahreshoch hat der DAX® heute ein Kaufsignal generiert – ein so genanntes Darvas-Signal.
Die Bezeichnung geht zurück auf den ungarischen Show-Tänzer Nicolas Darvas. Sein Buch „How I Made $2,000,000 In the Stock Market” schildert sein Handelssystem und wie er es umsetzte – in einer Zeit ohne Online-Broker oder E-Mail. Von 1956 bis 1958 verdiente er während einer zweijährigen Welt-Tournee zwei Millionen US-Dollar am amerikanischen Aktienmarkt – mit einem Anfangs-Investment von 36.000 Dollar. Sein Buch wurde zum Bestseller und zählt heute zu den Klassikern der Börsenliteratur.
Was war so unglaublich an seiner Strategie? Darvas kaufte Aktien immer nur dann, wenn sie unter hohen Umsätzen ein 52-Wochen-Hoch markierten. Die Psychologie hinter der Idee: Wenn eine Aktie ein neues Hoch erreicht, gibt es niemanden, der auf Verlusten sitzt – bis auf den letzten Käufer. Also gibt es keinen Verkaufsdruck. Gleichzeitig ziehen Aktien mit Allzeit- oder Mehrjahreshochs Aufmerksamkeit auf sich – was wiederum neue Käufer in den Markt lockt.
Gleichzeitig mit den Käufen setzte Darvas charttechnisch basierte Stop-Orders. Mitte der 50er Jahre erledigte er das per Telegramm oder Anruf. Als Datenquelle nutzte er das Wochenmagazin Barron’s, welches er sich per Luftpost zum jeweiligen Aufenthaltsort schicken ließ.
Darvas setzte seine Stops nach einem „Box-System“. Er wartete auf Kurskorrekturen und notierte die Tiefs dieser Korrekturen. Somit hatte jede Box eine Oberseite (das temporäre Hoch) und eine Unterseite (das Tief der Korrektur). Der Einstieg erfolgt, sobald die Box auf der Oberseite verlassen wird. Auf der Unterseite der Box wird der Stop platziert. Dieser wird erst nach oben bewegt, wenn die Aktie eine neue Box ausbildet – also nach einem Hoch eine Korrektur abschließt und die neue Box nach oben verlässt.
Markttechnisch gesprochen, kaufte Darvas nach Erreichen eines neuen Punkt 2 und setzte seinen Stop unter dem Punkt 3. Was heute wenig spektakulär klingt, war vor 55 Jahren eine kleine Revolution: Als er im Mai 1959 vom Time-Magazin um ein Interview gebeten wurde, kontrollierten die Redakteure vier Tage lang seine Aufzeichnungen und Kontoauszüge, um sicher zu gehen, dass er kein Betrüger war.
Die Schwierigkeit für heutige Trader: Darvas arbeitete auf dem Wochenchart, denn er konnte sich viele Trades nicht leisten. Seine Ordergebühren lagen bei mehr als 100 Dollar pro Halfturn. Stops liegen bei der Darvas-Signalgebung weit weg, falsche Ausbrüche machen den Einstieg zu einer Belastungsprobe für das Nervenkostüm.
Im heutigen Zeitalter und auf den DAX-Future angewendet, würde der Chart aussehen, wie unten dargestellt: Der vorletzte Long-Einstieg wäre im Oktober 2010 beim Überschreiten der 6.400-Punkte-Marke – mit einem Stop bei 5.600 Punkten. Der heutige Ausbruch würde mit einem Stop bei etwa 6.800 Punkten gehandelt werden. Damit wird schnell klar: Das Darvas-System ist in seiner ursprünglichen Ausprägung nichts für „Schnelle Finger“. Das Grundsystem ist aber nach wie vor handelbar. Etwa bei tendierenden Einzelaktien oder Währungen. Mit entsprechenden Anpassungen lässt sich die Idee auch auf kleinere Zeitfenster übertragen.




Zeigt wie einfach Charttechnik erfolgreich angewandt werden kann. Und immer noch werden Chartformationen(Dreiecke,Wimpel) ähnlich gehandelt: wird eine Orientirungsphase aufgelöst, erfolgt der Einstieg.