Ein Trade beginnt vor dem Trade
Jose Mourinho, der Trainer des Fußballklubs Real Madrid, hat vor kurzem gesagt: „Das Spiel beginnt schon bei der Pressekonferenz.“ Im Trading ist es ähnlich. Der perfekte Einstieg in einen Trade liegt meiner Ansicht nicht darin, das Timing zu optimieren und die Frage „wann kaufe ich“ zu stellen, sonder darin, sich einleitende einige Gedanken über seine eigenen Stärken und Schwächen zu machen und das Regelwerk dahingehend auszugestalten.
Sich selbst kennenzulernen ist also meiner Meinung nach wichtiger wie der richtige Einstieg, denn dabei handelt es sich um einen unter Anfängern weit verbreiteten Mythos. Ein Mythos, der jedoch von einer ganzen Branche mit allen Mitteln hochgehalten wird. Wenn ich mit anderen Tradern spreche bemerke ich stets Verwunderung, wenn ich sage, dass ich keine Ahnung hätte, wohin der Markt laufen wird. Die denken vielmehr, ein Trader ist ein Wahrsager, der mehr über die Zukunft weiß, wie Andere. Um erfolgreich zu traden, muss ich aber nicht wissen, was als nächstes geschieht, ich muss bloß auf alles vorbereitet sein, was geschehen könnte.
Das ist auch der Grund, warum ich mich immer zu höheren oder tieferen Kursen einstoppen lasse. Ich möchte die Entscheidung long oder short nicht selbst treffen, weil ich sie niemals richtig treffen kann. Ich lasse es vielmehr den Markt entscheiden, wohin die Reise geht. Betrachtet man es durch die Lupe, kaufe ich somit auf Intraday sicht nicht billig sondern teuer, weil ich Notierungen wie aktuelles Hoch/Tief oder Vortageshoch/-tief für dieses Einstoppen verwende. Manche Börsenweisheiten sollte man lieber ganz genau betrachten, bevor man sich danach ungeprüft richtet.
Um nun zur eigentlichen Aussage zurückzukehren: ein erfolgreicher Trade beginnt also damit, dass man überlegt, ob das Regelwerk aus ganzheitlicher Sicht zu einem passt und ob die Logistik dahinter ausgereift ist. Eine so genannte TMA Analyse (Talente Motivations Analyse) kann dabei helfen (dieses Tool wird im trading netzwerk angeboten), einen Trading Ansatz zu finden, der mit den eigenen Talenten und Fähigkeiten harmoniert.
Trader, die die TMA bisher gemacht haben sind überrascht und angetan zugleich. Ich selbst habe diesen Test gemacht und war zunächst über die Ergebnisse sehr erstaunt. Selbst- und Fremdbild harmonieren meist nicht miteinander, wie ich wieder einmal feststellen musste. Doch für mich kam die Bestätigung aus erster Hand: meine Freundin sah sich meine TMA durch und meinte nur trocken: „das bist 1:1 Du!“. Damit muss ich dann wohl leben, auch wenn mir natürlich nicht alles aus dieser Analyse gefällt. In jedem Fall bin ich begeistert von der Möglichkeit, seine Talente so auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen wie bei dieser TMA Analyse und wurde damit bestärkt, mein Regelwerk in Richtung meiner Talente weiter auszubauen.
Wer Partner im trading netzwerk ist und mein letztes Webinar Trade Monitoring vom 5. Mai verfolgt hat: dort können Sie sehen, dass ich mein Regelwerk oftmals bei der Gewinnsicherung aussetze. Warum tue ich das? Warum lasse ich den Stopp nicht immer dort, wo er laut Regelwerk sein sollte? Weil ich mich von meinen Talenten her in manchen Phasen nie zu 100% an ein Regelwerk halten könnte. Meine Talente gehen in Richtung kreativität und dabei besitze ich naturgemäß weniger Ordnungs- und Strukturbedürfnis (das ist bei kreativen Menschen so). Ich könnte einem starren Regelwerk oftmals nicht zur Gänze folgen, ich würde es regelmäßig ausreizen oder verwerfen müssen, weil es meine Talente einfach erfordern.
Das hatte ich zwar schon immer so geahnt, nie aber bestätigt bekommen. Vor langer Zeit war ich noch sehr unzufrieden mit mir, wenn ich wieder einmal in einen Trade eingegriffen hatte. Das hatte nicht unbedingt mit dem Ergebnis zu tun, sondern mit der Tatsache, dass ich vielmals die Trades nicht in Ruhe lassen konnte. Heute weiß ich, dass ich diesen kreativen Spielraum in manchen Zeiten brauche, weil ich mich dann einfacher wohler fühle beim Trading. Das heißt aber nicht, dass ich immer ohne Regelwerk arbeite. Es heißt lediglich, dass es Phasen gibt, wo ich lockerer rangehe, weil meine Psyche es eben gerade einfordert.
Das hat auch nichts mit mangelnder Gelassenheit zu tun. Im Gegenteil: ein manueller Eingriff fördert diese Gelassenheit und lässt mich das Geschehen nach wie vor entspannt verfolgen. Was ich noch nicht herausgefunden habe ist, warum diese kreativen Phasen mal stärker (das Regelwerk wird öfters ausgesetzt) und mal schwächer (ich handle brav nach Plan) sind. Ich forsche noch… Interessanter Weise hat das auf die Performance aber keinen Einfluss. Es gibt kreativ gute Phasen wie schlechte. Es gibt aber genauso gute und schlechte “Ordnungs- und Strukurphasen” bei meinem Trading.
In meinem Buch „Die Tradingakademie“ gibt es dazu ja ein ganzes, langes Kapitel zum Thema Intuitionen. Und natürlich sind meine intuitiven Entscheidungen keineswegs immer die Richtigen. Es geht aber um den Wohlfühlfaktor, und da sehe ich mein Regelwerk (vor allem beim Trademanagement) im manchen Zeiten eher als Richtlinie denn als Korsett.
Angehende Trader müssen begreifen, dass es zunächst wichtig ist festzustellen, wie viel Regelwerk man braucht. Erst danach kann man überlegen, welches Regelwerk es sein soll. Wie auch immer wird für mich damit eines klar: „Das Spiel beginnt schon vor der Pressekonferenz.“ Frei nach Jose Mourinho. Ob ein Trade also perfekt wird, entscheidet sich lange bevor ich auf den „Buy“ Button meiner Trading Station klicke.


