Lesetipp: Dr. Alexander Elder: The New Sell & Sell Short
Dieser Lesetipp stammt von Nils Gajowiy. Wie immer hat sich Nils mit eine Trading Buch sehr intensiv beschäftigt. In dieser Rezension wird er Ihnen verraten, ob es sich um ein lesenswertes Buch handelt oder nicht.
Von Nils Gajowiy
Bisher ist leider nicht einmal die erste Ausgabe dieses Buches auf Deutsch erschienen – schon liegt die zweite, komplett überarbeitete und aktualisierte Variante vor uns. 350 Seiten praktisches Trading-Wissen zu einem Thema, das von vielen Autoren stiefmütterlich behandelt wird: dem Verkaufen.
Eine Position zu eröffnen ist nicht schwierig. Schwieriger ist es, diese wieder zu schließen. Sollen Gewinne mit Limit- oder mit Stop-Orders realisiert werden? Wo setze ich ein Kursziel und was passiert, wenn das nicht erreicht wird? Was tun, wenn der Kurs einfach weiterläuft?
Diese und viele andere Fragen werden im aktuellen Werk des amerikanischen Traders Alexander Elder beantwortet. Dabei kommt dem Leser zugute, dass Elder ein seit Jahrzehnten erfolgreich praktizierender Selfmade-Trader mit medizinischer Ausbildung und einem Doktortitel in Psychiatrie ist.
Kurz zum Inhalt: Abschnitt eins enthält drei Kapitel zu den Themen Kaufen, Psychologie und Risikomanagement, sowie Aufzeichnungen. Besonders wertvoll sind hier die Hinweise zur Benotung von Trades. Elder geht davon aus, dass man nur besser wird, wenn man seine Trades in ein Koordinatensystem von „Schlecht“ bis „Gut“ einordnen kann. Wer besser werden will, muss eben zunächst einmal wissen, wo er steht. Die Eldersche Triple-Screen-Methode wird nicht mehr so ausführlich dargelegt wie in der ersten Ausgabe. Dieses Material kann nachgelesen werden in „Come Into My Trading Room“ und „Entries & Exits“, die beide auch in Deutsch erschienen sind und auf dem Bücherregal keines ernsthaften Traders fehlen sollten.
Abschnitt 2 umfasst das Thema Verkaufen. Drei Kapitel werden hier ausführlich behandelt: Das Verkaufen am Kursziel, Verkaufen mittels Stop und das „Verkaufen von Maschinengeräuschen“, wie es Elder nennt. Gemeint ist der nicht seltene Fall, wenn sich ein Trade nicht so entwickelt, wie man es gern hätte – das Momentum nimmt ab, das Kursziel wird nicht erreicht oder es steht eine Berichtssaison ins Haus, bevor das Kursziel erreicht wird. Gerade diese Unwägbarkeiten machen einem Trader häufig das Leben schwer. Der Autor zeigt hier klare Entscheidungs-Alternativen auf. Auf über 30 Seiten ist hier auch die ausführlichste und anschaulichste Darlegung zum Thema Stops zu finden – wo sind sie gut gesetzt, wo weniger gut.
Im dritten Abschnitt geht es um das Thema Leerverkäufe. Hier unterteilt Elder zwischen dem Shorten von Aktien und dem Leerverkauf anderer Asset-Klassen, etwa Futures, Forex und Optionen.
Abschnitt vier heißt „Die Lektionen des Bären-Marktes“ und ist völlig neu und brandaktuell. Anhand zahlreicher Charts illustriert Elder, wie die heraufziehende Gefahr bereits sichtbar war, bevor der Markt anfing abzutauchen. Er gibt praktische Hinweise zum Handelsstil in einem Abwärtsmarkt, genauso wie zum Erkennen von guten und schlechten Chancen. Das zehnte Kapitel schließlich steht unter dem Titel „Nach dem Boden fischen“ und beantwortet die Frage, wie ein Bärenmarkt zu Ende geht und was dann zu tun ist.
Das gesamte Buch ist farbig gedruckt, Dutzende von Charts veranschaulichen, was Dr. Elder mitzuteilen hat – kurzweilig, in bildhafter Sprache, prägnant, tiefgründig, aber nie langweilig oder akademisch verklausuliert. Wer Alex Elder kennt, hört seinen feinsinnigen Humor zwischen den Zeilen heraus. Die ersten drei Abschnitte schließen jeweils mit einem Kapitel „Fragen und Antworten“. Wie von Elder gewöhnt (zu seinen anderen Büchern existieren separate Arbeitsbücher) kann jeder Leser hier sein frisch angelesenes Wissen testen.
Fazit: Auch wenn ich gegenüber dem Autor nicht unvoreingenommen bin – wir sind seit Jahren befreundet und ich betrachte Alexander Elder als meinen Mentor: Das neue „Sell & Sell Short“ ist jeden Cent wert. Wer des Englischen halbwegs mächtig ist, wird sich mit Leichtigkeit durch die 350 Seiten arbeiten, alle anderen sollten sich etwas anstrengen. Elder beweist wieder einmal, dass man kein Akademiker sein muss, um erfolgreich zu traden. Risikomanagement, ein klarer Plan mit entsprechenden Werkzeugen und die Kenntnis der eigenen Psychologie reichen aus. Die Richtung des Marktes darf einem dann egal sein – in Bärenmärkten lässt sich viel Geld verdienen, häufig sogar schneller als in Bullenmärkten.
PS: Wer das Buch bestellen möchte: Auf www.elder.com können Leser dieser Rezension es für nur 23 US-Dollar plus 14 $ Versandkosten per Luftpost bestellen. Nutzen Sie die Kommentarbox, tippen Sie dort meinen Namen ein und Sie bekommen das Buch per Post und mit einem Autogramm des Autors direkt ins Haus.



