Make Photo from here
Es ist noch keine Woche her, dass ich mit meiner Freundin abends daheim eine Fotosession machte, um uns Bilder unserer letzten USA Südstaatenreise anzusehen. Schon im Vorfeld erinnerte ich mich dabei an ein bestimmtes Ereignis, das ich damals sehr unterhaltsam fand. Es passierte im Bundesstaat Arkansas, im kleinen Ort Hope. Noch nie gehört? Keine Sorge, auch ich kannte das Dorf vorher nicht. Was es dann besuchenswert macht und was das alles mit dem Trading zu tun hat? Wir kommen gleich darauf zu sprechen.
Hope ist der Geburtsort des ehemaligen US Präsidenten „Bill Clinton“. Da der Ort auf unserem Weg lag, sahen wir uns auch gleich sein Geburtshaus an, welches als die „große Touristenattraktion“ der Gemeinde dient und zum Museum umfunktioniert wurde. Und als wir bei diesem Gebäude standen, musste ich schlagartig an das Trading denken. Doch um die Zusammenhänge zu erkennen, muss ich vorher ein wenig ausholen und ein paar Fragen an Sie richten.
Sind Sie einer jener Trader, die gerne alles vorgekaut bekommen? Die stets Andere Fragen, was sie tun sollen, oder die in verschiedenen Magazinen nach vermeintlich todsichere Tipps Ausschau halten? Oder gehören Sie zu jenen Tradern, die jeden Vortrag besuchen, dessen Titel in etwa die Botschaft: „der perfekte Entry“ beinhaltet? Mögen Sie es, wenn Sie eine fix und fertige Strategie auf dem Silbertablett überreicht bekommen? Selbstverständlich über 20 Jahre Backgetestet und mit 100% Erfolgsgarantie? Dann würden Sie sich bei Bill Clintons Geburtshaus sehr wohl fühlen, denn dort sagt man Ihnen auch, was Sie tun müssen. Doch noch einmal zurück zum Trading, bevor wir die Sache auflösen.
Auch in meinen Seminaren merke ich immer wieder, wie Spannung und Aufmerksamkeit mancher Teilnehmer steigen, nachdem wir nach scheinbar langweiligen Themen wie Backoffice oder Börsenpsycholgie endlich auf die Entrys zu sprechen kommen. Erst neulich habe ich in einem Webinar, dass ich für einen großen Broker hielt, folgende Chat Nachricht bekommen, nachdem ich ein paar einführende Worte zum Trading Prozess anbringen wollte, einem Teilnehmer es aber scheinbar nicht schnell genug ging, den vermeintlich heiligen Gral zu finden: „…wann erzählen Sie uns jetzt endlich etwas von Ihren Swingtrading Strategie….“ Und dieser Einwand kam bereits nach 5 Minuten Einleitung, in denen ich mich getraut hatte, zunächst auf die Wichtigkeit von einführenden Fragen einzugehen und sich eben nicht gleich auf die Charts zu stürzen.
Natürlich ließ ich mich nicht beirren, machte weiter und habe den Zuhörer gebeten, er möge sich in der Zwischenzeit einen Kaffee holen, um sich dann in wenigen Minuten, wenn wir über die Set Ups sprechen würden, wieder zu uns zu gesellen. Da der Hinweis auf Arkansas in diesem Webinar den Rahmen der Veranstaltung gesprengt hätte, unterließ ich ihn.
Mentaltraining? Trading Logistik? Ziele? Pah! Alles Kinderkram – „…zeigen Sie uns lieber, wie es geht…“ oder „Eröffnen Sie einen short Trade nun denn genau zwei oder drei Cent unter dem Tief des Vortages?“ auch gerne gehört: „Ich habe bei der Aktie XY den Stopp immer unter das Vortagestief gelegt. Dann wurde ich ausgestoppt und musste einen Teil der Gewinne wieder abgeben. Ihre Stoppsetzungsstrategie ist nicht optimal. Was muss ich tun, um alles aus einer Bewegung rauszuholen?“
„Make Foto from here“ stand beim Geburtshaus von Bill Clinton auf einem Schild. Tagelang mussten wir noch über den Hinweis lachen und es blieb bis heute ein „geflügeltes Wort“ bei uns. Auch in Situationen, wo es gar nicht im Fotos oder Häuser geht, denke ich oft an diese Begebenheit. Und ich erinnere mich auch immer dran, wenn ich auf Trader treffe, die so ein Schild am liebsten neben Ihrer Trading Station hängen hätten.
Zugegeben: unsere amerikanischen Freunde denken sehr ungern selbständig und schlagen uns Europäer dabei noch um Längen. Unabhängig davon habe ich aber den Eindruck, dass sich gerade in finanziellen Belangen (nicht nur im Trading sondern auch beim Investing oder bei Finanzierungen) die intelligentesten Menschen ganz besonders unvernünftig verhalten. Und dabei spielt es keine Rolle, ob sich das Geschehen in den USA (House Flipping mit dadurch ausgelöster Finanzkrise) oder in Europa (Politiker & Staatspleiten) ereignet.
Wenn Sie an den Börsen also in nächster Zeit jemand suchen, der ihnen genaue Anweisungen gibt, denken Sie an Bill Clintons Geburtshaus in Hope/Arkansas. Vielleicht müssen Sie dann schmunzeln und vielleicht erspart Ihnen dieser Gedankenblitz Verluste, die Sie nicht eingefahren hätten, wenn Sie sich eigenständig und mit Hausverstand mit dem Thema auseinandergesetzt hätten.


