Artikel Heute
In meiner „Lieblingszeitung“ – „Heute“ (die Wiener gratis U-Bahn-Zeitung) fand ich in der Ausgabe vom 26.9.2011 folgende Schlagzeile auf der Titelseite „Studie: Aktien-Händler ärger als Psychopaten“. Da ich mich selbst als solchen zähle, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, mich von diesem Blatt auf die Couch legen zu lassen…
Das war die Schlagzeile an diesem Tag…
Ehrlich gesagt war es meine Lebensgefährtin Marianne, die diesen Beitrag entdeckte. Da ich psychisch geschädigter Aktienhändler mich nicht täglich in überfüllte U-Bahnen mit hektischen, unfreundlichen oder grantigen Menschen zwingen muss sondern lieber von daheim oder der grünen Wiese aus entspannt arbeite, lese ich die U-Bahn Zeitung normalerweise nicht, weil Sie nicht in meinem Einzugsgebiet (Wohnung & Wiese & retour) „ausgelegt“ wird.
Aber wenn solch ein Qualitätsblatt über unsere Zunft etwas zu berichten hat, ist das natürlich etwas anders. Dann werden meine „Spione“ die nach wie vor ein wachendes Auge auf unser Alltags- und Arbeitsleben haben aktiv. Und so musste ich in diesem Beitrag lesen, dass laut einer Schweizer Studie Aktien Händler noch irrer agieren als kriminelle Psychopaten. Dazu wurden 28 Profi Trader und 24 Insassen deutscher Hochsicherheitskliniken untersucht (im Ernst…)
Die Erkenntnis: Händler übertreffen in ihrer Verantwortungslosigkeit selbst Psychopathen und bringen zudem sogar eine schlechtere Leistung (letzteres kann ich sogar nachvollziehen…). Denn statt nüchtern (wer erträgt den aktuellen Markt schon „nüchtern“?) auf den höchsten Gewinn hinzuarbeiten, konzentrieren sich die Banker (aha – wer also jetzt, die Banker – mein netter Schalterbeamter bei der Erste Bank oder die Aktien – Händler) vor allem darauf, mehr zu bekommen als ihr Gegenspieler (als ob dieses Phänomen auf Aktien Händler beschränkt wäre…).
Mein Fazit: Infogehalt 0 – reißerisches Thema, das einfach jetzt gerade angesagt ist (die bösen Spekulanten…). Aber dabei möchte ich auch mit mahnenden Worten nicht sparen! Wenn ich derzeit die öffentliche Berichterstattung verfolge, kommt mir vor, dass die Gesellschaft versucht, neue Feindbilder zu finden: Vermögende Menschen!
Alles was derzeit mit Geld oder Börse zu tun hat ist das Grundübel, das es zu bekämpfen gilt! Mir sind da Aussagen wie „Eure Krise zahlen wir nicht“ oder „Börsenhändler sind Verbrecher“ gut in Erinnerung. Rasch kann die Stimmung kippen, wenn die Leute nicht verstehen, was die wahren Ursachen der Krise sind (sicher nicht DIE klassischen Spekulanten oder Trader). Aber was tun unsere Politiker? Entweder sie sind damit beschäftigt, Geld zu unterschlagen oder sich sonst unredlich zu verhalten oder sie streiten!
Ich bin gespannt, wo das alles noch hinführen wird. Da mir derzeit keine Alternative zu unserem jetzigen Wirtschaftssystem einfällt, bin ich nach wie vor ein glühender Anhänger eines freien Marktes, des Tradings und des Kapitalismus. Übrigens ist mir aufgefallen, dass eine große Buchhandlung in Wien dutzende Bücher zu Themen wie: Neue Wirtschaftskrise, Zusammenbruch, Crash, Weltwirtschaftskrise, Europa vor dem Abgrund oder Der Euro – eine Fehlgeburt (oder so ähnlich) an Verkaufstechnisch günstiger Stelle ausgelegt hat. Normalerweise ein sehr guter Contra Indikator!





@Thomas: du schreibst, dass du ein glühender Anhänger des freien Marktes bist, aber wir haben doch gar keine “freie” Marktwirtschaft.
Das wäre nämlich eine alternative zu dem jetzigen System, die “freie Marktwirtschaft” nach dem Prinzip der “Österreichischen Schule der Nationalökonomie”.
Der Staat beschränkt sich nur auf seine notwendigsten Aufgaben, die da wären innere und äußere Sicherheit. Alles andere regelt der Markt.
Aber da kann man wohl nur von träumen. Den dann müsste die “Machtelite” ja etwas von ihrer Macht abgeben und das wird sie zu verhindern wissen.
LG Thomas
@Thomas: Du hast schon Recht. Ich meinte bloß, den jetzigen Zustand quasi “konservieren”. Denn wenn ich mir ansehe, was man derzeit alles regelmentieren, kontrollieren oder verbieten will (Fettsteuer & Co) dann wird mir ganz komisch dabei…
LG Thomas
@Thomas: Ja, es kommt einem echt so vor, als ob sie dabei sind die EU-DSSR aufzubauen. Bin mal gespannt wie es weiter geht. Sehe die Entwicklung aber mit genauso gemischten Gefühlen wie du.