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Allgemeiner Meinungsaustausch

Indikator #2 – Gleitende Durchschnitte (7 Antworten)

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  • Profilbild Thomas Vittner vor 3 Monaten, 3 Wochen:

    Nachdem wir vor einiger Zeit hier im trading netzwerk die Diskussion über Indikatoren (Konkret über den RSI) begonnen haben, möchte ich dieses Thema wieder aufgreifen.

    Den Link zur sehr interessanten RSI Diskussion, die ja letztlich in das geniale E Training von Harry Helnwein (E 036 – RSI, Wie, Was, Wann, Wieso) gemündet hat, findet ihr hier: http://www.tradingnetzwerk.de/groups/allgemein/forum/topic/indikator-1-rsi/

    Nun kann man ja als nächsten Indikator wirklich jeden heranziehen. Ich habe mich aber – ohne es werten zu wollen – als nächstes für den gleitenden Durchschnitt entschieden.

    Weil es dabei viele Varianten gibt, wollen wir uns auf den einfachen gleitenden Durchschnitt beschränken. Also den SMA, den Simple Moving Average! Natürlich könnt Ihr die anderen „Abarten“ ebenso erwähnen und über eure Erfahrungen dazu berichten.

    Zunächst würde mich interessieren, um welche Art von Indikator es sich bei einem gleitenden Durchschnitt handelt. Welche Erfahrungen habt ihr mit diesem Indikator in welchen Märkten gemacht? Und natürlich wie und ob ihr ihn überhaupt verwendet (ob er taugt oder nicht). Und: wofür und worauf man ihn verwenden kann und wie man ihn ermittelt?

    Freue mich auf spannende Gespräche!

    LG Thomas

  • Profilbild Carsten Berger vor 3 Monaten, 3 Wochen:

    Hallo Thomas!

    Ich zähle den SMA zu den Indikatoren der Trenderkennung.

    Hierbei verwende ich den Indikator, um einen sich im Trend befindlichen Wert durch einen Screener anzeigen zu lassen.

    Natürlich kann ich einen Trend auch visuell an den Hoch und Tief Punkten erkennen, jedoch ist dies mittels eines Screeners schwer zu definieren. Und da hilft der SMA für die Anzeige und definierten Werte, die man dann auch als Screener einsetzen kann.

    Dies kann man sich je nach gewünschter Zeiteinheit, dann definieren.

    Da der SMA nur die Durchschnittskurse der eingestellten Zeiteinheit darstellt, ist damit natürlich auch eine zeitliche Verzögerung einhergehend.

    Also zur Trenderkennung ist er gut, für die Signalgebung aber zu langsam. Dort würde ich dann diskretionär oder auf einen anderen Trigger umsteigen.

    Au jeden Fall ist der SMA ein guter Indikator um eine Tendenz festzustellen und sie auch “recherchierbar” mittels Screener umzusetzen.

    LG Carsten

  • Profilbild Jess vor 3 Monaten, 3 Wochen:

    Global und mathematisch betrachtet handelt es sich um das arithmetische Mittel einer Zahlenreihe von individueller Länge.
    Es werden also z.B. Kurse des jeweiligen Beobachtungszeitraumes aufsummiert und dann durch die Länge der Periode dividiert.
    Ein SMA (von was auch immer) eignet sich aufgrund seiner Einfachheit und daher leichten Verständlichkeit sehr gut für
    die Integration in eine feste Strategie oder ein Regelwerk, oftmals auch von institutioneller Seite.
    Ein SMA wird zwar meistens über den Verlauf eines Kurses berechnet, wird aber auch immer gerne zu “Glättung” von weiteren Daten wie
    z.B. Volumen, Umsatz,Volatilitäten oder anderen Indikatorwerten/-resultaten eingesetzt.

    Als Nachteil wird, wie auch Cartsten schon richtigerweise erwähnt hat, die Tatsache gesehen, dass der SMA nur ein verzögertes Signal bietet.
    Er ist also sehr träge.
    Zudem werden beim SMA alle Einzelwerte gleich gewichtet, ws dazu führen kann, dass das “Herausfallen”
    eines Wertes mit großer Abweichung das Ergebniss stark beeinflussen kann.
    Der Vorteil ist wie schon erwähnt seine einfache Berechnung. Zudem kann über die Relation von SMA und realem Kursverlauf
    generell das Trendverhalten eines Marktes eingeschätzt werden.

    Grüße
    Jess

  • Profilbild Richard Zerfowski vor 3 Monaten, 2 Wochen:

    Um den mittel- und langfristigen Trend eines Marktes zu ermitteln sind für mich die gleitenden Durchschnitte bestens dafür geeignet. Sie sind für mich ein wesentliches Erkennungsmerkmal wann eine Hausse/Baisse beginnt und wann diese endet !

    Ferner kann man durch das Zusammenspiel mehrerer gleitenden Durchschnitte sehr einfache aber durchaus lukrative Strategien entwickeln.
    Eine interessante Strategie wäre einen kurzfristigen SMA (21,38,55 oder 90 Tage) als Signalgeber zu nehmen wenn dieser die 200 SMA schneidet.
    Wird ein Signal erzeugt, erfolgt der switch von Long auf Short bzw. von Short auf Long.
    Bezogen auf den DAX und einen Zeitraum von 1996 bis 2012 hätte man je nach verwendeten SMA “Signalgeber” einen jährlichen Zuwachs von über 10 % bis knapp 13 % erzielt (bei z.B. Kauf eines DAX ETF`s Long/Short). Der DAX kam im gleichen Zeitraum auf ca. 6 % p.a.
    Allerdings ist das Ganze nichts für aktive Trader; die hätten im Schnitt nicht Mal 2 Transaktionen im Jahr durchführen können :-)

    Zuletzt sind für mich die gleitenden Durchschnitte ein unverzichtbarer Bestandteil beim kurzfristigen traden im Stundenchart, wobei diese hier nicht als Signalgeber dienen sondern nur einen wesentlichen Beitrag zur diskretionären Entscheidungsfindung liefern.

    LG
    Richard

  • Profilbild Jess vor 3 Monaten, 2 Wochen:

    Hallo Zusammen,

    ich möchte gerne diesen aus meiner Sicht interessanten Thread wieder in Erinnerung rufen.

    Entweder berücksichtigen viele der TN-Teilnehmer keine
    Indikatoren bei ihrem Trading oder gerade der SMA findet eher wenig Verwendung.
    Ich denke der Austausch hinsichtlich Indikatoren und deren Verwendung kann hier sehr hilfreich sein.
    Die Verwendung von Indikatoren beschränkt sich ja nicht nur auf einen mechnischen Handelsansatz.

    Daher möchte ich mal die etwas weiterentwickelte Variante der gleitenden Durchschnitte ansprechen, den EMA.
    Beim EMA (Exponential Moving Average) kommt keine lineare Gewichtung der Kursdaten (wie beim SMA) zum Einsatz, sondern eine exponentielle.
    Während beim SMA mit jeder neuen Handelsperiode (Stunde, Tag, etc) der älteste Wert zugunsten des aktuellen eliminiert wird, findet beim EMA eine fortlaufende Berechnung statt.
    Zum Indikatorwert der letzten Handelsperiode wird ein Anteil des aktuellen Werts hinzugerechnet.
    Diese exponentielle Gewichtung (Gewichtungsfaktor) bewirkt somit dass die älteren Kurswerte von Periode zu Periode mehr an Einfluss verlieren .
    Der große Vorteil des EMA ist somit die hohe Reaktionsfähigkeit im Vgl. zum SMA, der Verlauf des Indikators liegt ja wesentlich näher am Basiskursverlauf als dies beim aritmethischen Mittel der Fall ist.
    Die genaue Berechnung des EMA ist komplexer als die des SMA, steht aber selbstverständlich in den einschlägigen
    Chartanalyse-Tools zur Verfügung.

    Benutzt jemand von euch den EMA fürs Trading/Screening?

    Grüße
    Jess

  • Profilbild Harry Helnwein vor 3 Monaten, 1 Woche:

    Old-school-mäßig basierten früher 11 von 10 Strategien auf dem SMA ;-) Okay, geringfügige Übertreibung.

    Aber ich bevorzuge Trades die “heuer noch” wieder geschlossen werden. Bei einem SMA(14) schließe ich bereits die übernächste Position längst wieder aus. Na gut, wieder geringfügig übertrieben – oder auch nicht.

    Aber der SMA ist schon so was wie die Mutter der Tradingindikatoren. Es gibt, wie Jess sehr richtig erwähnt, auch Spielarten davon, eigentlich unzählige.

    Ich mag jetzt gar nicht raunzen, dass ein SMA (wie auch all seine Unterarten) ein verzögerter Indikator ist – bei einem SMA(20) muss ich ja bei EOD-Bars 20 Tage zurückschauen was war (eine Ewigkeit her, wenn interessiert das noch?). Sondern ich erwähne auch etwas andere Spielarten des Einsatzes von diesen GDs (Gleitender Durchschnitt):

    Alternativer Einsatz von SMAs:

    Wie weiß ich ob ein Filter, zum Beispiel ein Index gerade hoch oder niedrig ist, zB der (ansich) sehr coole VIX – der Volatility- (oder Fear-) Index? Ist 28 hoch oder niedrig? Keine Ahnung, deshalb bilde ich einen SMA(10) zB der letzten 10 Tage und schaue wo er heute ist: Ist der SMA bei 17 und der heutige VIX bei 28 dann ist er sehr hoch, richtig? Richtig!

    D.h. man kann SMAs (und anderer Zeugs natürlich auch) sehr gut verwenden um eine quantifizierbare Aussage der relativen Position von etwas zu erhalten.

    Noch praktikabler wird das Ganze, wenn man Bänder aus dem SMA bildet, zB einen Offset von x% rauf und runter. Dann werden Aussagen wie oben zusätzlich bekräftigt (wenn etwas zB über SMA + Offset liegt statt nur über SMA).

    Natürlich kann man den SMA auch als Basislinie für andere Dinge nehmen, zB extrem clever die Standardabweichung (=was Nettes aus der Statistik) nehmen und zum SMA dazu- oder wegrechnen. Hoppla, da hab ich gerade die Bollinger Bänder erfunden :-)

    Also, der SMA ist häufig auch die Basis von unzähligen Indikatoren ohne dass einem dass immer bewusst ist.

  • Profilbild Thomas Vittner vor 3 Monaten, 1 Woche:

    Zufällig habe ich ja in den letzten Tagen (wieder) die Bollinger Bänder getestet und optimiert, die, wie Harry richtig schreibt, ebenfalls den SMA in der Berechnung beinhalten.

    Noch zufälliger bin ich heute nach dem Treffen mit Christian Schranz vom Cafe Riter zum Thalia gegangen und habe dort im Buch von John Bollinger mit dem Titel (Bollinger Bänder – no na!) geschmökert. Sehr interessant, vor allem die Ableitung und Herleitung, wie und warum diese BB entstanden sind. Also glaub ich Harry nicht, dass er eben die Bollinger Bänder erfunden hat ;)

    Nun soll das hier ja kein Posting über die Bollinger Bänder werden (wer macht ein solches Posting auf – idealerweise jemand, der eine Ahnung davon hat ?!). Was die gleitenden Durchschnitte (hier der SMA) betrifft geb ich Harry recht.

    Meiner Meinung nach werden für diesen Indikator viel zu lange Lookback Perioden gewählt. Wen interessiert schon der Kurs von vor 200 Tagen? Wen interssiert der Kurs von vor 20 Tagen (naja, vielleicht ist der schon ein wenig spannender aber auch nicht das Gelbe vom Ei).

    Interessanter Weise waren simple Entry Tests mit dem SMA zwar nicht gut, aber auch wieder gar nicht mal sooo schlecht. (es gibt viiieeel schlechteres…) Vor allem, wenn man dazu Envelopes heranzieht (Offset wie Harry sagt), die den SMA umschliessen. Wie gesagt: nicht ideal aber gar nicht mal schlecht, wenn man nicht zu weit in die Vergangenheit blickt.

    LG Thomas

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